HARMS & JÄKEL REPORTS

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It goes around the sausage

Was tun in Berlin, wenn man "arse violins" begegnet? Amerikanische und englische Reiseführer wissen es.

Von Florian Harms

(Süddeutsche Zeitung vom 11.8.2001)

Berlin - "Berlin is a must see" - Berlin muss man gesehen haben. Darin sind sich alle Autoren englischsprachiger Reiseführer einig. Ob der britische "Time out Guide", "Lonely Planet" und "Darling Kindersley Travel Guide" oder der amerikanische "Let's go Germany" - stets rangiert die Hauptstadt unter den empfohlenen Reisezielen in Deutschland an erster Stelle. Diese Reiseführer prägen das Berlin-Bild tausender Touristen, sind ihr Schlüssel zum Verständnis der Stadt. Um es Touristen zu erleichtern, sich in der Metropole zurechtzufinden, die Sitten und die Sprache der Berliner zu verstehen, enthalten die Reiseführer Tipps für alle Situationen. Eine Auswahl:

Was man in Berlin nicht tun darf:

Auf keinen Fall die Straße überqueren, wenn die Ampel rot ist. 20 Mark Strafgeld!

Solltest du ein Fan des FC Bayern München sein, sprich das nicht laut aus.

Was man in Berlin problemlos tun kann:

Bei Rot über die Straße gehen - macht jeder.

Als Schwuler oder Lesbe kannst du dich in Berlin rund um die Uhr in einem homosexuellen Umfeld bewegen: Du kannst bei einer Schwulen-Firma arbeiten, in einem Schwulen-Fitnessstudio trainieren, in einem Schwulen-Laden Kleider kaufen, in einem Schwulen-Restaurant essen... Und wenn du stirbst, wird man einen schwulen Totengräber besorgen, der dich in einem knallroten Plüschsarg beerdigt.

Worauf man achten sollte:

Beim Betreten von Geschäften immer höflich "Guten Tag" sagen, beim Gehen stets "Auf Wiedersehen".

Wenn man jemanden begrüßt, immer sofort seine Hand schütteln.

Die Berliner Museumswächter sind eigenwillig: Sie folgen dir von Raum zu Raum, observieren jede deiner Bewegungen und beobachten genau, ob du zu nah an einem Picasso ausatmest.

Entgegen weit verbreiteter Annahmen sind nicht alle Deutschen Nationalisten. Wenn du allerdings "weiße Skins" siehst (mit weißen Schnürsenkeln), dann renne in die entgegengesetzte Richtung - so schnell du kannst.

Berliner Spezialitäten:

Frühschoppen: Frühstück für Tapfere. Brötchen und Eier werden mit "Korn" (einer lokalen Whisky-Imitation) oder "Sekt" (sprudelnder Weißwein) heruntergespült.

Boulette: Mischung aus einem Fleischkloß und einem Hamburger. Wird in einem vertrockneten Brötchen gegessen.

Königsberger Klopse: Fleischbälle in Kapernsoße. Das ist ein Essen.

Currywurst (kha-ree-vorst): Die bekannteste Berliner Spezialität. Eine Bratwurst wird zerhackt und mit einer halben Flasche Ketchup sowie einer Hand voll Curry überschüttet.

Kleiner Sprachführer Englisch-Deutsch:

I am sorry - fair-tsy-hoong!

Hello - goot-en tahk

Goodbye - owf-veed-er-zay-ern

How are you? - vee gayts?

Kleiner Sprachführer Berlinerisch-Englisch:

Feierabend: Wörtlich "party evening", aber wenn ein Berliner Barkeeper morgens um vier "Feierabend" zu dir sagt, ist das keine Einladung, auf den Tischen zu tanzen. Eher eine poetische Version von "Schluss jetzt".

Scheißladen: Ein sehr nützliches Wort, das man während eines Berlin-Besuchs immer wieder brauchen kann. Wörtlich "shit shop", kann "Laden" hier auch eine Kneipe, eine Disko oder ein Restaurant sein. Wenn der Kellner deine Bestellung vergisst oder der Barkeeper dir ein falsches Getränk hinstellt, dann zeige ihnen deine Missachtung, indem du fauchst: Scheißladen!

Arsch: Wörtlich "arse". Ist das gebräuchlichste Berliner Wort, um etwas hervorzuheben. Das Wetter kann "arschkalt" sein (very cold), Produkte können "arschteuer" sein (extremely expensive), und jemand, der Müll redet und dich nervt, ist eine "Arschgeige" (arse violin). Wenn man die "Arschkarte" (arse ticket) hat, ist man zu kurz gekommen, wenn du "verarscht" wurdest oder "gearscht" bist, hat man dich betrogen. Wenn alles schief läuft, nennst du das "Arschprogramm". Sei vorgewarnt: "Arschloch" (arsehole) ist im Deutschen ein härteres Schimpfwort als im Englischen. Vermeide es, wenn du nicht "am Arsch" enden willst.

Geil: Der deutsche Ausdruck für englisch "wicked" oder amerikanisch "awesome". Berliner benutzen dieses Wort sehr gerne - und zwar: "Guy-ull!"

Wurst: Der zentrale Platz, den die Wurst in der deutschen Kultur einnimmt, drückt sich auch im Wortschatz aus. "I don't care" heißt "Mir ist alles Wurst" (It's all sausage to me). Wenn es auf etwas ankommt, sagst du "Es geht um die Wurst" (It goes around the sausage). Wenn jemand schmollt, dann sag zu ihm: "Sei keine beleidigte Leberwurst" (Don't be an insulted liver sausage!).

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