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Norodom Sihanouk beglückt seine Fans
Von Florian Harms
(Neue Zürcher Zeitung vom 17.5.2002)
Zürich - Monarchen in der Moderne sind beklagenswerte Gestalten.
Mangels Zepter, Macht und Befehlsempfängern fristen sie ihre
immergleichen Tage zwischen der neunzehnten Fuchsjagd im Sommer
und der siebenundzwanzigsten Skitour im winterlichen Berner Oberland.
Nein, es ist kein schönes Leben als König in einer Welt
voller Präsidenten, Parteichefs und Generalsekretäre,
nach deren Pfeife heute alles tanzt.
Während wir über das betrübliche Schicksal der zu
spät geborenen Monarchen sinnieren, erreicht uns eine Nachricht
aus einem fernen kleinen Land, das trotz jahrzehntelangem Leid einen
beliebten Monarchen hervorgebracht hat, der überhaupt nicht
gelangweilt und auch nicht langweilig ist. Der ehrwürdige Mann
steht bereits im achtzigsten Lebensjahr, schaut verträumt unter
seinem schwindenden weißen Schopf hervor und hört auf
den Namen Norodom Sihanouk.
Wer jetzt sofort denkt, "so kann man doch nur in Kambodscha
heißen!", der hat natürlich Recht. Nun muss man
wissen, dass König Sihanouk sich nicht nur bei den elf Millionen
Einwohnern seiner von Terror, Krieg und Armut geschundenen Heimat
großer Beliebtheit erfreut, sondern auch in der nicht zu unterschätzenden
Gemeinde der Liebhaber des asiatischen Films. Weil Kambodscha zwar
seit 1993 wieder eine Monarchie ist, jedoch - wie in der Moderne
nun einmal üblich - eine konstitutionelle, kann der König
ungestört von Staatsgeschäften seiner Leidenschaft nachgehen:
dem Drehen von Kinofilmen. Zwischen 1966 und 1997 schuf er 19 abendfüllende
Leinwandepen, die unter asiatischen Cineasten Kultstatus genießen.
Als ein kleines Juwel gilt etwa der Film "Die Tempeltänzerin"
von 1966, in dem der damalige kambodschanischen Außenminister
in der Hauptrolle zu bewundern ist. Der Wert der Filme wird nur
noch von der Musik getoppt, die Seine Majestät höchstpersönlich
für jedes Ihrer Werke zu komponieren, dirigieren und produzieren
geruhte.
Um seine wachsende Fangemeinde zu beglücken und die Bande zu
seinen Untertanen zu stärken, ist König Sihanouk nun mutig
in die virtuelle Welt vorgestoßen. Aus dem königlichen
Palast zu Phnom Penh verlautete vor wenigen Tagen, der Hausherr
habe im Internet eine Website einrichten lassen, dank der sich nun
jeder Mann und jede Frau in aller Welt am künstlerischen Schaffen
des großen Norodom Sihanouk ergötzen könne. Da sind
wir natürlich neugierig geworden und haben die Seite des komponierenden
Königs angeklickt.
Und tatsächlich: Unter der Internet-Adresse "www.norodomsihanouk.org"
finden sich neben einer Grußbotschaft Seiner Majestät
nicht nur knappe Inhaltsangaben und herrliche Bilder von den Filmen
des Königs, sondern auch 18 Musikstücke, die mittels einer
einfach zu installierenden Software erlauscht werden können.
Da ist etwa das klagende "Charmante", das an Tschaikowskys
Geigenteppiche im "Schwanensee" erinnert. Die "Rose
de Phnom Penh" kommt pathetisch daher wie Juri Schiwagos Leitmotiv,
und in der "Nuit froide" hört man die Flöten
förmlich frösteln. "Good bye, Bogar" treibt
uns eine Träne in a-Moll ins Auge, und bei "Si je pouvais
t'aimer" singen wir bereits mit zitternder Stimme mit: damdadadadadaaa.
Ehrlicherweise können wir nur schwer verhehlen, dass sich die
einzelnen Melodien bei genauerem Hinhören erstaunlich gleichen.
In untertänigstem Gehorsam erklären wir dies jedoch als
Ausdruck des authentischen Stils Seiner Hoheit und schließen
uns den Wünschen einer Besucherin der Homepage an, die ihrem
König ins virtuelle Gästebuch schrieb: "Ach, bin
ich froh, einen so netten und heiß geliebten König zu
haben!"
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