"Die Rezepte sind den jeweiligen kulinarischen Länderbeschreibungen
angefügt und verraten die kochpraktischen Erfahrungen der beiden
Autoren." (FAZ)
"Die schmuck gestaltete Neuerscheinung aus der Reihe "Bibliothek
des Orients" birgt mit ihren anziehenden Fotos nicht nur Anregungen
für den Gourmet, sondern verführt auch zum sinnlichen
Erleben der vielfältigen arabischen Welt."
(Rhein Neckar Zeitung)
88 außergewöhnliche Rezepte - von Hausfrauen ebenso
wie von Spitzenköchen - machen den Text- und Bildband Kulinarisches
Arabien zu einem ganz besonderen Genuss. Neben Tipps zu den
Zutaten und der Zubereitung werden auch historische Hintergründe
und kulinarische Anekdoten zu den Rezepten verraten.
Hier eines der 88 Rezepte:

Nachspeise. Nach einem Rezept von John Wood,
Chefkoch des Hotels Burj
al-Arab in Dubai.
PERSONEN: 4
ZUBEREITUNGSZEIT: 45 Min.
ZUTATEN
400 g Blätterteig
500 ml Milch
4 EL Zucker
4 EL Pistazien, klein gehackt
4 EL Mandeln, klein gehackt
4 EL Rosinen
4 EL geraspelte Kokosnuss
4 EL Zimt
125 ml geschlagene Sahne
ZUBEREITUNG
Leicht ausgewalkten Blätterteig auf einem Backblech bei 180
°C goldgelb backen. Eine Lage Blätterteig in eine ofenfeste
Servierschale geben, mit Pistazien, Mandeln, Rosinen sowie Kokosnussraspeln
belegen und mit Zimt bestreuen. Statt einer großen Servierschale
können Sie vier Schalen in der Größe von Suppentellern
verwenden.
Mit einer zweiten Lage Blätterteig bedecken und Vorgang wiederholen.
Es sollten mindestens drei Lagen übereinander geschichtet werden.
Bei der letzten Lage auf Rosinen verzichten, da diese sonst beim
Überbacken verbrennen.
Zucker in der heißen Milch auflösen, den Blätterteig
damit übergießen und ein paar Min. einweichen. Mit geschlagener
Sahne überziehen und im Ofen unter dem Grill bei 180 °C
leicht überbräunen. Mit einigen Pistazien und Rosinen
belegen, mit etwas Zimt bestreuen und heiß servieren.
HINTERGRUND
Alle arabischen Länder kennen die Sitte, Väter und Mütter
liebevoll nach ihren Erstgeborenen zu nennen. Der Vater von Ahmad
zum Beispiel heißt dann Abu Ahmad, Vater (von) Ahmad. Umm
Ali, das ist die Mutter (von) Ali.
Wahrscheinlich stammt die Nachspeise, die diesen Namen trägt,
ursprünglich aus Ägypten, doch ist sie heute besonders
in der Golfregion außerordentlich beliebt. Wer wissen will,
warum sie so heißt, bekommt in jedem arabischen Land eine
andere Antwort. Hier zwei zur Auswahl:
In der Mamluken-Zeit gab es im Palast von Kairo eine sparsame Köchin,
die nach ihrem erstgeborenen Sohn Umm Ali hieß. Statt die
Essensreste der herrschaftlichen Tafel wegzuwerfen, hob sie diese
für ihre Familie auf. Als während einer Belagerung das
Essen im Palast ausging, war die Köchin gezwungen, zu improvisieren.
Schließlich hatte der Sultan Hunger.
Also nahm sie, was sie an Resten finden konnte - hart gewordenes
Brot, Milch, ein paar Mandeln und Rosinen - und kreierte daraus
ein Gericht, das sie dem Sultan vorsetzen ließ. Natürlich
nicht ohne mehrmals wiederholte Entschuldigung für das "kärgliche
Mahl". Der Sultan griff zum Löffel - und war entzückt.
Das Restegericht mundete ihm so hervorragend, dass er fortan nichts
anderes mehr essen wollte. "Umm Ali, bringt mir das von Umm
Ali!" rief er jeden Morgen und jeden Abend. Und so kam die
Mutter von Ali zu Weltruhm, zumindest in der islamischen Welt.
Die andere Geschichte lautet folgendermaßen: Umm Ali, die
Mutter von Ali, hatte jahrelang glücklich mit ihrem Ehemann
zusammengelebt und diesem einen Prachtkerl geboren (eben den Ali),
als ihr Mann sich plötzlich in eine junge Tänzerin verguckte
und seiner Ehefrau ankündigte, er werde sie sofort verlassen,
um fortan mit der Tänzerin zusammenzuleben. Umm Ali weinte
und wusste weder ein noch aus. Doch dann kam sie auf eine geniale
Idee.
Sie sagte zu ihrem untreuen Ehemann: "Gut, dann geh. Doch
vorher gewähre mir noch ein letztes Mahl mit Dir, ich werde
ein neues Gericht machen." Der Mann willigte ein - und Umm
Ali tischte ihm eine Speise auf, die er noch nie gekostet hatte.
Er verschlang sie binnen Minuten. So köstlich war sie. "Diese
Mischung aus milchgetränktem Brot, Mandeln und Rosinen! Köstlich!
Das kannst nur Du, Umm Ali!" rief er. Er vergaß die Tänzerin
und blieb seiner Ehefrau fortan treu.
Weil ihre Ehemänner noch umtriebiger sind als früher,
ersetzen viele arabische Ehefrauen das harte Brot heute durch den
noch schmackhafteren Blätterteig.
Sind Sie auf den Geschmack gekommen? Weitere 87 Rezepte
aus der arabischen Welt - traditionelle ebenso wie moderne Kreationen
- finden Sie im Text- und Bildband Kulinarisches
Arabien.
Texte © Florian Harms
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